Die „honigsüße“ Erlebniswelt der „Bienen-Botschafter“ aus Niederbayern

Willibald Glutzberger und seine Ehefrau Renate aus Niederbayern sind leidenschaftliche Freizeit-Imker mit eigenem Hofladen. Sie wollen das Bewusstsein für die Bedeutung der faszinierenden und so wichtigen Insekten wieder schärfen.

Honigwelt Glutzberger

Alles begann mit einem Zufall. Vor fast dreißig Jahren hing in der Nachbarschaft Willibald Glutzbergers aus Bad Füssing im Landkreis Passau ein Bienenschwarm im Garten. Der hätte eigentlich abgenommen und eingefangen werden müssen. Damals kam der gelernte Landmaschinenmechaniker auf eine Idee: „Ich dachte mir, ich könnte doch selber einmal probieren, Bienen zu halten und meinen eigenen Honig zu produzieren“, erinnert sich der heute 52-Jährige. Der Gedanke faszinierte ihn. Heute besitzt er rund einhundert Wirtschaftsvölker und produziert jedes Jahr zwischen 2.000 und 2.500 Kilogramm Honig.

Zurück zum Bienenschwarm, der seinerzeit im Garten auftauchte: Der Bad Füssinger schaffte sich ein paar gebrauchte Bienenkästen an. Seine Frau Renate war von Anfang an dabei beim Abenteuer Bienen. „Als wir unsere ersten Erfahrungen sammelten, merkten wir, wie groß das Interesse in der Bevölkerung und bei den Gästen war“, sagt Willibald Glutzberger. Die Nachfrage sei stets größer gewesen, als das, was seine wenigen Völker an Honig produzierten. Und so kam eins zum anderen: Im Jahr 2000 hatten Glutzbergers bereits 50 Völker. Der Bienenzüchter aus Irching baute ein Bienenhaus, schaffte sich eine Schleuder und zahlreiche weitere Bienenkästen an. Er drückte bei der Bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen noch einmal die Schulbank, absolvierte zuerst die Gesellen- und später auch die Meisterprüfung als Imker.

Ehefrau Renate absolvierte zwar nie offiziell ein Examen, wurde aber über die Jahre hinweg auch zur Expertin für die summenden Honigproduzenten. Willibald Glutzberger ließ sich als erster anerkannter Bio-Imker des Landkreises Passau zertifizieren. Auch wenn er das Siegel inzwischen nicht mehr trägt, weil sich durch horrende Preissteigerungen beim Biofutter das Projekt Bio einfach nicht länger rechnete, legt der Imkermeister weiter sehr viel Wert auf eine ökologisch verträgliche Haltung und Fütterung seiner Bienen.

Heute besitzen die Irchinger rund 100 Wirtschaftsvölker. Sie sind die „Lieferanten“ für die Honigwelt, die die Glutzbergers ihren Kunden im eigenen Hofladen präsentieren. Ein Bienenvolk, das im Winter aus etwa 6.000 bis 8.000 Bienen und im Sommer aus etwa 50.000 bis 60.000 Tieren besteht, produziert im Jahr im Durchschnitt 20 bis 25 Kilogramm Honig. Das macht jährlich eine Gesamtmenge von etwa 2.000 bis 2.500 Kilogramm.

Honigwelt GlutzbergerDieser Wert variiert jedoch sehr stark. „Im vergangenen Jahr lagen wir leider bei unter zehn Kilogramm pro Volk“, sagt der Imkermeister. Verkaufsschlager Nummer eins in seinem Laden ist der Blütenhonig. Er macht rund die Hälfte des gesamten Ertrags aus und fängt die Blütenpracht des Frühlings im Glas ein. Auch Rapshonig, Buchweizenhonig und Waldhonig gehören zum Angebot der Honigwelt. Kerzen in allen Formen aus eigenem Bienenwachs – gegossen, gedreht oder gezogen – sind ebenfalls Teil der Palette. Besonderes Schmankerl in den Verkaufsregalen neben Honigbonbons und Honiglikör: die Honignudeln, die Willibald Glutzberger in Bad Griesbach mit seinem eigenen Honig nach besonderer Rezeptur herstellen lässt. Stolz ist der Imkermeister auf die vielen Stammkunden.

Größter Feind des Imkerehepaars aus Bad Füssing und der weiteren etwa rund 30.000 bayerischen Imker ist die Varroamilbe, ein Schädling, der ganze Völker vernichten kann. „Leider hat mir dieser Parasit viele Rückschläge beschert“, sagt der Bienenzüchter. Auch die intensive landwirtschaftliche Nutzung rund um Bad Füssing macht es Bienen zunehmend schwierig, genügend Nahrung zu finden. Bestimmte Pflanzenschutzmittel schaden den Bienen ebenfalls.

Mittlerweile sei es sogar so, dass die Lebensbedingungen in Großstädten wie München zum Teil besser seien als auf dem Land. „Das sollte uns schon zu denken geben“, so der Züchter. Willibald Glutzberger sagt, im Durchschnitt müsse man jedes Jahr die gleiche Anzahl an Jungvölkern züchten, um den Stand der Wirtschaftsvölker zu halten. Dies ist ein enormer Kosten- und Arbeitsaufwand. Er wünscht sich besonders von der großen Politik mehr Einsatz für die Bienen.

Zu seinen Tieren pflegt Willibald Glutzberger ein inniges Verhältnis: „Ein Imker sollte auch ab und zu gestochen werden“, lautet seine Philosophie. Wenn er einfach mal zum Nachschauen zu den Bienen geht, trägt er keine Schutzkleidung. „Solange man ruhig und gelassen ist und die Völker nicht störe, muss man keine Angst haben“, hat er festgestellt.

Mit Kunden, aber auch mit Kindern aus Grundschulen und Kindergärten geht er regelmäßig zu den Bienen. „Leute, die ihr ganzes Leben lang Honig gegessen haben, sehen bei uns zum ersten Mal, wie er entsteht – und sind begeistert“, sagt der Bienen-Botschafter. Ein bis zwei Mal im Jahr kommen Interessierte zu ihm, die sich selbst mit dem Gedanken tragen, Imker zu werden. Über Besuch freut sich der Bienenexperte immer: „Jeder, der das miterleben möchte, ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen und sich das zeigen und von der Begeisterung anstecken zu lassen“, sagt er. Sein Wunsch: die Faszination für Bienen weiterzugeben.

Die „Honigwelt Glutzberger“ (Bad Füssing-Irching, Harter Steig 12) ist montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.
Mehr Infos: www.honigwelt-glutzberger.de

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