Du bist so Dilly-Dally!

Bitte was? Ja, ihr habt richtig gelesen! Denn es geht um den Dilly-Dally Design-Markt, der mittlerweile seit 5 Jahren jeweils im November in Regensburg stattfindet. Im konservativen, künstlerisch eher nicht so ausgeprägten Regensburg ist diese Messe der Höhepunkt des Jahres für alle Designliebhaber und Kunstanhänger.

Dilly-Dally

die RT-Halle aber mittlerweile aus allen Nähten platzt, suchen die Veranstalter aktuell nach einer größeren Location für die Design-Messe. Beim 5. Dilly-Dally hat das leider noch nicht geklappt, aber eine Regelung gegen die Überfüllung wurde dennoch gefunden. Reingelassen wurde immer nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern – dadurch ergaben sich zwar recht lange Warteschlangen aber drinnen war es für alle weitaus angenehmer – kein nerviges Geschubse und Gedrängle, man hatte Platz und Bewegungsfreiheit. Viel angenehmer als beim letzten Mal. Dilly-Dally wäre aber nicht Dilly-Dally wenn sie sich nicht sogar was für die Wartenden einfallen lassen würden: Gratis Popcorn versüßte einem die Wartezeit. Nun kommen wir aber mal zum eigentlichen Thema.

Kreativer Ideenaustausch

Der Dilly-Dally-Design-Markt ist ein Ort, der nur so vor Kreativität und Ideen sprüht. Hier trifft man auf Künstler, Up- und Recycler, Bastler, innovative und kreative Köpfe, Menschen, die an ihre Träume glauben und Persönlichkeiten, die mit ihren Produkten etwas Gutes bewirken möchten. Im Grunde ist Dilly-Dally weniger eine Messe als ein kreativer Ideenaustausch von wunderbaren Menschen mit viel guter Laune, eine Veranstaltung wie ein Beisammensein unter guten Freunden.

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Flüchtige Momentaufnahmen aus aller Welt von einer Künstlerin

Blind-Tasting in der Food-Area

Neben den vielen Künstlern und Designern gab es eine spezielle Food-Area, in der die Aussteller nicht nur äußerst verlockende Köstlichkeiten präsentierten, sondern auch die ein oder andere innovative Food-Idee vorstellten. Ein Händler beispielsweise rettet im wahrsten Sinne des Wortes Obst und Gemüse mit kleinen Fehlern, das ansonsten auf dem Müll landen würde und verarbeitet es ohne schadhafte Zusatzstoffe zu leckeren getrockneten Snacks. Freunde des Überraschungseffekts konnten beim Blind-Tasting ihren Gaumen schulen und sich mit den verschiensten Häppchen verköstigen lassen.
Für jeden der erstmal die Reizüberflutung verarbeiten musste, die sich auf dem Dilly-Dally durchaus schon mal ergeben kann, der nahm in einem der bequemen Sessel in der Design-Kantine Platz und konnte ganz entspannt bei Kaffee und Kuchen die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

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Blind-Tasting in der Food-Area

Essen, trinken, plaudern, kaufen

Rund 80 Aussteller präsentierten auf zwei Ebenen ihre zuckersüßen, raffinierten und wunderbaren Ideen, Konzepte und Designs. Es wurde getrunken, probiert, gegessen, Musik gespielt, geplaudert, gemalt und natürlich vor allem viel gekauft!
Unter den Austellern gab es wieder viele Designer, die ihre Modelabel präsentierten. Und ich kann euch eins sagen: Deren ökologische, nachhaltig produzierte und doch ausgefallene Kleidung war wirklich beeindruckend. Denn Fair-Trade-Kleidung hat in der Realität nämlich nichts mit dem Vorurteil des kratzenden Naturmaterials zu tun. Es ist dieselbe Kleidung, die wir tagtäglich tragen, nur eben umweltschonender und meistens sogar noch viel besser verarbeitet.

Ute von RobeCode mit ihrer Kollektion

Innovative Kreationen

Neben Mode gab es natürlich noch allerhand Accessoires zu entdecken: Uhren und Brillen aus Holz, auffällige Kissen, witzige und knallbunte Print-Taschen, flauschige Oversize-Schals und nicht zu vergessen, die vielen fabelhaften Schmuckstücke – von filigran und verspielt bishin zu ausgefallen und mondän.
Aber auch die Upcycler hatten innovative Kreationen zu bieten: Alte Kaffeebecher verarbeitet zu neuen Uhren und Vogelfutterstationen, Lampen aus bunten 80er Jahre Schallplatten oder Strohhalmen. Ganz nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.
Natürlich fand man auf der Messe auch viele Künstler aus der Fotografie- und Illustrationsszene.
Sie faszinierten die Besucher mit fotografisch ausdrucksstarken Momentaufnahmen, Typografie gepaart mit Illustration auf Leinwand und Papier, alte Landkarten und Buchseiten, die mit Hilfe von Siebdruck zu ganz neuen Kunstwerken wurden, Bilder und Wohnaccessoires verziert mit viel Witz, Charme und Tiefgang, liebevoll Illustriertes, so zauberhaft, dass es nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene begeistert. Eine Künstlerin hat tatsächlich Bilder aus Kassettenbändern gefertigt.

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Alles andere als Massenware

Der Dilly-Dally überrascht eben jedes Jahr aufs neue mit Menschen, die kreativer gar nicht sein könnten. Man trifft hier auf umweltbewusste Umdenker, die die Welt ein kleines bisschen verändern möchten. Aber nicht nur das – es sind schlichtweg auch die Designs, die liebevolle Handarbeit, die in so vielen Stücken steckt, was fasziniert. Was man dort kauft ist keine Massenware, die irgendwo am Ende der Welt von armen Frauen hergestellt wurde – nein – in diesen Produkten steckt wirklich Liebe. Es ist so, als würde man ein Stück an dem Traum der Künstlers teilhaben, mit jedem Artikel den man kauft. Vielleicht ist es auch einfach nur die Nähe und Persönlichkeit zu den Menschen hinter den Produkten, die diese Veranstaltung so besonders macht.

In jedem Fall ist diese Messe eine wundervolle Erfahrung, die ich euch allen nur ans Herz legen kann. Man sieht sich dann im November, wenn es wieder heißt: du bist so Dilly-Dally!

Vogelfutterstation aus recycelten Kaffeebechern, Gewinner des Grünen Sterns 2015
Anschließend hab ich mir noch drei interessante, nachhaltige und innovative Aussteller rausgepickt, um über sie zu erzählen:

Milchmeer-Ecobags

jan17_dilly_6Das Produkt
Sigrun und Ralf produzieren zusammen mit ihren Näherinnen bunte Taschen aus recycelten Zement- und Futtersäcken. Das Besondere an diesen Taschen ist, dass sie gar nicht bedruckt werden. Die bunten Muster auf dem Endprodukt findet man bereits so auf dem Originalsack. Jeder sieht ein bisschen anders aus und weil die Taschen von Hand gefertigt werden, ist jedes Milchmeer-Produkt ein Unikat. Aufgrund des Materials sind alle Taschen wasserdicht und reissfest. Was viele Menschen von Fair-Trade- oder Bioprodukten abschreckt, ist meistens der durchaus hohe Preis der Ware. Milchmeer zeigt, dass das auch anders geht. Kauft man sich eine Markensportasche ist man bei etwa dem selben Preis – mit dem großen Unterschied, dass man mit den Ecobags etwas Gutes tut.

Die Nachhaltigkeit
Gefertigt werden die Milchmeer-Produkte von Frauen einer kleinen Dorfgemeinschaft in Kambodscha. Sigrun und Ralf geht es dabei nicht nur um faire Bezahlung, sondern auch um geregelte Arbeitszeiten, sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen. Die Näherinnen können sogar von Zuhause aus arbeiten. Durch das Upcycling wird auch die Umweltbelastung ein wenig reduziert. Denn schließlich würden die gebrauchten Säcke einfach auf einer Mülldeponie landen, wenn es dieses Konzept nicht gäbe.
Dadurch bietet sich eine wunderbare Win-Win-Situation. Der Endkunde bekommt farbenfrohe, hoch belastbare Taschen, die Umwelt wird geschont und es werden neue und vor allem faire Arbeitsplätze für die Näherinnen geschaffen.

Mehr Infos über diese großartigen Produkte findet ihr unter: www.milchmeer.de

RobeCode

jan17_dilly_8Das Produkt
Das Geschwisterduo Ute und Uli designed extravagante Mode „Made in Germany“. Grundlage ihrer Kleidung sind weiße Stoffe. Vom Design, über das Nähen bishin zum Druck wird alles selbst gemacht. RobeCode zeichnet sich vor allem durch die Verwendung von innovativen Textilfasern aus. Diese sorgen nicht nur für eine nachhaltige Herstellung, sondern auch für äußerst angenehmen Tragekomfort. Die Stoffe fühlen sich wirklich himmlisch an! Das besondere an RobeCode ist neben der umweltschonenden Fasern und Herstellung der Druck auf der Kleidung. Denn der Großteil von Ute’s Mode besteht aus Alloverprints. Grundlage hierfür sind eigene Fotos oder die Bilder einer Fotografin, mit der RobeCode zusammenarbeitet. So entstehen einzigartige Kleidungsstücke mit hohem Wiedererkennungswert, die nicht nur bequem und umweltschonend sind, sondern auch noch verdammt gut aussehen. Denn stehen geblieben bin ich beim RobeCode-Ständchen nur, weil mir die farbenfrohen Prints ins Auge sprangen.

Die Nachhaltigkeit
Bei der Produktion von Baumwollkleidung fällt ein enormer Wasserverbrauch an und nicht nur das: durch das Färben der Textilien wird das ohnehin schon knappe Wasser verschmutzt und die Arbeitsbedingungen in den meisten Ländern sowohl für Baumwoll-Bauern als auch Näherinnen sind absolut nicht vertretbar. RobeCode hingegen arbeitet ressourcenschonend, nachhaltig und ökologisch, denn verwendet werden Fasern hergestellt aus Biobaumwolle, Bambus, Mais oder recycelten PET-Flaschen. Ist das nicht der Wahnsinn?
Auch beim Druck achten die beiden auf eine umweltschonende Alternative. Durch den Thermosublimationsdruck wird die Farbe nur in die obere Faser abgegeben und gewährleistet so eine langlebige und brilliante Farbqualität, die auch nach mehrmaligem Waschen keine Einbußen aufweist.
Die Stoffe von RobeCode sind alle viel atmungsaktiver als herkömmliche Baumwoll-Kleidung aus den üblichen Shops. Die verwendeten Fasern erinnern durch ihren Nutzen vor allem an Funktions- und Sporttextilien. Der große Unterschied liegt jedoch im Tragekomfort – die Stoffe fühlen sich weitaus angenehmer und weicher an. Die Elastizität ist jedoch trotzdem gegeben. Es ist ein bisschen wie Baumwolle nur eben irgendwie besser. Die Stücke muss man einfach mal in der Hand gehabt haben um zu verstehen wie toll sich nachhaltige Kleidung anfühlen kann.

Mehr Infos findet ihr auf www.robecode.com

Pilzpaket

jan17_dilly_7Das Produkt
Ralph und sein Team glauben an die Natur als Vorbild für menschliches Handeln. Bei der herkömmlichen Pilzzucht werden unglaublich viele Rohstoffe und Energie verschwendet. Bei der Pilzzucht auf Kaffeesatzbasis bleibt dies jedoch alles erhalten.
Das Pilzpaket ist ein Paket in dem sich eine Pilzkultur und Kaffeesatz als Nährboden befinden. Man klappt ganz einfach den Karton ein und schneidet die Folie auf, anschließend befeuchtet man das Paket und wartet. Nach rund 10 Tagen kann man bereits das erste Mal seine eigenen Pilze ernten. Auf der Website gibt es eine kleine Auswahl an Edelpilzen, von würzig über pilzig bis süßlich ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die Nachhaltigkeit
Für Menschen, die sich bewusst vegetarisch oder vegan ernähren und Menschen, die einfach gerne Pilze essen, ist dieses Paket eine echte nachhaltige Alternative zu teuren und vor allem umweltbelastenden Pilzen im Handel.
Mit jeder Ernte nehmen die Nährstoffe im Paket ab – ein ganz normaler Vorgang. Das ist aber kein Grund die Pilze zu entsorgen. Denn der Pilz im Paket ist immer noch putzmunter und lebendig, alles was ihm fehlt ist ein neuer Nährboden. Und dieser kann der hauseigene Kaffeesatz sein. Kaffeesatz ist für die meisten von uns ein reines Abfallprodukt. Der Kaffee ist getrunken und weg damit in den Müll. Was viele nicht wissen: in dem „Abfallprodukt“ befinden sich reichlich Nährstoffe, die eben beispielsweise für die Pilzzucht oder auch als Dünger fungieren können.
Das Pilzpaket kann einfach aufgeschnitten und der Inhalt in einen Blumentopf gepackt werden. Zusammen mit frischem Kaffeesatz wachsen bereits nach kurzer Zeit wieder schöne, große Pilze.

Mehr Infos findet ihr unter: www.pilzpaket.de


Text & Fotos: Corinna Meister www.jetztgibtsbeef.de

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