Dürfen wir noch Fleisch essen?

Haben wir das Recht Tiere zu töten, nur weil sie uns schmecken?

kuehe

Darauf kann es nur eine Antwort geben: Nein. Tiere sind Lebewesen, die wie wir Menschen Angst und Schmerzen empfinden. Die grauenhaften Videos, die – nicht zum ersten Mal – heimlich von Tierschützern in bayerischen Massentierhaltungsbetrieben aufgenommen wurden, müssten eigentlich eine Welle der Empörung auslösen und ein Umdenken im Umgang mit Nutztieren bewirken. In Deutschland werden rund 34 Millionen Haustiere gehalten, gleichzeitig aber 56 Millionen Schweine, 3 Millionen Rinder und eine Million Tonnen Hühner geschlachtet. Zuneigung und Mitgefühl sind für Bello und Miezi reserviert, alles andere landet auf dem Teller. „Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht.“
Der irische Schriftsteller George Bernard Shaw (1856 – 1950) brachte es auf den Punkt.

Nicht einmal die unvorstellbaren qualvollen Zustände in den meisten Tierhaltungsbetrieben, in denen die Tiere auf engstem Raum eingepfercht und vollgestopft mit Medikamenten werden, verändern das Kaufverhalten der Verbraucher. Auch wenn wir schon längst wissen, dass der Verzehr von Fleisch unserer Gesundheit eher abträglich ist und nur noch der eingefleischte Hardcore – Fleisch(fr)esser glaubt, dass das tierische Eiweiß zum Überleben notwendig ist, will der Deutsche nicht auf sein täglich „Stück Lebenskraft“ verzichten. „Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen, es schmeckt und ist Teil unserer Kultur“ – so die Argumente des Omnivoren. Womit er nicht ganz Unrecht hat. Ein Grillfest ohne Bratwurst, Weihnachten ohne Gans und auf dem Oktoberfest keine Schweinshaxn zur Maß… ist das noch Lebensqualität? Und nicht zu vergessen, dass man mit dem Konsum von Fleisch auch seine soziale Rangordnung dokumentieren kann. Ich kann es mir leisten und ich lass es mir nicht nehmen. Dabei sind es nicht nur die sogenannten bildungsfernen Schichten, sondern auch die weltoffenen Akademiker, die nicht auf ihr Statussymbol verzichten wollen. Während der eine billiges Discounter-Fleisch im Kühlschrank stapelt, muss es beim anderen exklusives Kobe Rind – das Kilo 400 bis 600 Euro – sein. Oder wenigstens ein saftiges Steak. Man outet sich als Gourmet. Der Besserverdiener kauft Bio-Fleisch und sich damit sein Gewissen frei. Eine moderne Form des Ablasshandels. Das Schnitzel soll wenigsten ein glückliches Leben auf einer saftigen Wiese verbracht haben, bevor es auf dem Teller landet und dafür zahlt man gerne mehr. Dem normalen Mastschwein müssen für seine 100 Kilo Lebendgewicht „mindestens 0,75 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Dem Mastschwein aus ökologischer Haltung stehen mindestens 1,3 Quadratmeter und zusätzlich ein Quadratmeter Auslauf im Freien zu“ laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Zwei arme Schweine: das aus der Bio-Haltung bekommt einen halben Quadratmeter mehr Platz und der Kunde zahlt dafür einen stolzen Preis. Wer bei diesen perversen Haltungsbedingungen von „Tierwohl“ sprechen mag, dem kann man nur Zynismus in reinster Form attestieren.

Was kann man tun? Franz Josef Voll, Autor der „Schweinebande“ sieht unter anderem den Verbraucher – also uns alle! – als machtvolles Instrument um eine Veränderung in der Lebensmittelindustrie herbeizuführen: „ Denn es gibt etwas, das die Großhersteller und Handelsketten mehr fürchten als alle Überwachungsämter und EU-Verordnungen: den wachen, den informierten, den neugierigen – mit einem Wort: den gefährlichen Verbraucher. Jenen Verbraucher, den Politik und Industrie ständig im Munde führen und den keiner ernsthaft will. Machen wir uns also kundig.“ Die Bibel wusste allerdings schon, dass der Geist zwar willig, aber das Fleisch schwach ist. Daher ist es die Aufgabe des Staates die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Was vor ein paar Jahren noch keiner für möglich hielt gelang durch das Rauchverbot: Der Raucher ist zum sozialen Aussenseiter mutiert. Ebenso muss das Image des Fleischessens revolutionär verändert werden. Nur dann wird das Leiden der Millionen Tiere beendet. Und nebenbei kann man auch noch zur Rettung des Klimawandels beitragen, deren wesentlicher Faktor die industrielle Tierhaltung ist. „Es wird die Zeit kommen, in welcher wir das Essen von Tieren ebenso verurteilen, wie wir heute das Essen von unseresgleichen, die Menschenfresserei, verurteilen.“ (Leonardo da Vinci, 1452 – 1519)

Ein Blick nach Indien zeigt, dass es auch anders geht. Dort gibt es die gewaltlosen Anhänger des Jainismus, die keinerlei tierische Podukte verzehren. Sie glauben, dass jedem Lebewesen eine Seele innewohnt. Die Glaubensgemeinschaft ist im 6./5. Jahrhundert v. Chr. entstanden und ihre über vier Millionen Anhänger haben tatsächlich ohne Fleisch so lange überlebt. Auch das indische Wüstenvolk der Bishnoi tötet keine Tiere, fällt keine Bäume, ernährt sich strikt lacto-vegetarisch und erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit. Zwar erst seit dem 15. Jahrhundert, aber sie leben.

Und der Papst? Wie ist seine Haltung zum Töten von Tieren? Die Kampagne um die 12-jährige Tier- und Umweltaktivistin Genesis Butler von Million Dollar Vegan bot Papst Franziskus in einem Brief eine Million Dollar, sollte er sich während der Fastenzeit rein pflanzlich ernähren um damit den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Da sie keine Reaktion seitens des Vatikans auf die Kampagne erhalten hatte, reiste Genesis nach Rom, um Papst Franziskus persönlich zu bitten, sich während der Fastenzeit vegan zu ernähren. Sie hatte die Gelegenheit mit einem leitenden Priester über die Notlage des Planeten und das Leid der Tiere in der industriellen Tierhaltung zu sprechen. Er antwortete: „Wir sind alle für unsere Erde verantwortlich, ich stimme deinen Worten zu.“ Als Papst Franziskus den Mittelgang direkt entlang ging, nahm Genesis die Gelegenheit wahr. Sie rief ihm zu: „Eure Heiligkeit, bitte, ernähren Sie sich während der Fastenzeit vegan!“ Papst Franziskus hörte sie und lächelte.


Geschrieben von Sylvia Schmidt

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