Hoch hinaus im Kletterzentrum

Wer den Kletterwald (zumindest teilweise) bezwungen hat, muss natürlich auch mal ganz klassisch an einer Wand klettern gehen! Wo könnte man das besser als im DAV Kletterzentrum in Regensburg? Gesagt, getan!

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Die Kletterhalle in Kareth-Lappersdorf ist ganz einfach mit dem Auto oder auch mit dem Bus zu erreichen. Was vor dem Betreten der eigentlichen Kletterwelt bereits auffällt, sind die riesigen Kletterwände, die sich außen am Gebäude befinden. Sobald es nämlich wärmer ist, kann man auch Outdoor klettern. Von ganz oben hat man eine unglaubliche Aussicht auf Regensburg, die vor allem bei Sonnenuntergang wunderschön sein soll. Für mich wäre das definitiv ein Anreiz es ganz hoch zu schaffen.

Immer der Farbe entlang

Betritt man das Kletterzentrum fällt einem als nächstes auf, wie hoch die Kletterwände eigentlich sind. Im Schulungsbereich sind es „nur“ 8,5 m, in der restlichen Halle sind es satte 14,5 m. Die verschieden farbigen Klettergriffe an den Wänden machen das ganze Zentrum unglaublich bunt. Bisher dachte ich, dass Klettern eben eine farbenfrohe Sportart sei, aber unser Trainer Jojo belehrte mich eines besseren. Wenn man nämlich genau hinsieht, fällt einem auf, dass die Farben sich immer in einer gewissen Route nach oben schlängeln. Und so sollte man auch klettern; versuchen die Wand in einer Farbe zu erklimmen – oder beispielsweise mit Händen und Füßen jeweils eine andere Farbe zu benutzen. So ergeben sich richtige Herausforderungen!

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Kletterschuhe sind verdammt eng

Ausrüstung gibt es direkt vor Ort gestellt. Mitbringen muss man deshalb nur bequeme Kleidung und am Besten noch Schlappen oder Hausschuhe. Klingt komisch, ist aber ganz praktisch. Denn beim Klettern werden spezielle Schuhe getragen. Die müssen enorm eng sitzen und drücken sogar ein wenig. Die Sohle ist extrem dünn, weshalb man draußen mit den Schuhen sicher jeden Grashalm spürt, über den man läuft. Die Kletterschuhe erinnern ein bisschen an Ballettschuhe mit ihrer leicht gebogenen Form. Jedenfalls ist es entsprechend unbequem in diesen Schuhen durch die Halle zu laufen. Deshalb sind Schlappen, in die man zwischendurch reinschlüpfen kann eine ganz gute Alternative.

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Vorstieg und Top-Rope Klettern

Nachdem wir unsere Schuhe und unsere Sicherung erhalten hatten, trafen wir unseren Trainer, den lieben Jojo, der uns sympathisch und vertrauensvoll in die Grundlagen des Kletterns eingeführt und beim Klettern übrigens auch immer motiviert und unterstützt hat. Er erklärte uns die zwei möglichen Variationen beim Klettern mit dem Seil: der Vorstieg und Top-Rope. Beim Vorstieg sichert der Vorsteiger das Seil selber an den Zwischensicherungen, die sich auf jeder Kletterroute befinden und bereitet so den Weg für die Top-Rope-Kletterer. Kommt es beim Vorstieg zum Sturz, fällt man bis zur letzten Zwischensicherung. Ihr merkt schon, das ist eher was für die fortgeschrittenen Kletterer. Beim Top-Rope stattdessen ist das Seil bereits ganz oben in der Umlenkung eingehängt und der Partner sichert vom Boden aus. Wir kletterten selbstverständlich mit der zweiten Sicherungsform. Nach kurzer Erklärung und Einweisung ging es endlich ans Eingemachte! Ich sah mich nochmal um und beobachtete ein kleines Mädchen, vielleicht 5 Jahre alt, wie sie spielerisch die 14 Meter hohe Wand erklomm. Wenn sie das schafft, kann das ja nicht so schwer sein, oder?

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Mit den Augen scanne ich die Wand

Trainer Jojo sicherte mich mit dem Seil, welches übrigens aus Sicherheitsgründen immer doppelt so lang ist wie die Wand, an der man klettert. Ich betrachtete die Wand, die vor mir lag und befand den Weg nach oben schon als recht einfach… da waren doch so viele Griffe, das schafft man sicher in Nullkommanix! Ich fing an, einen Fuß über den anderen, eine Hand über die andere zu setzen. Meine Augen scannten die Wand nach großen Griffen, in denen ich leichten Halt fand. Als Anfänger waren mir die Griffe, die eine richtige Greifeinbuchtung hatten am liebsten. Zum Glück gabs an den leichteren Wänden auch genügend davon! An manchen Stellen der Wand war es gar nicht so einfach den nächsten Griff zu finden. Vor allem, wenn einem die Erfahrung fehlt: schaffe ich es mich an dem Griff zu halten oder rutsche ich ab weil er zu klein ist? Also greift man lieber zum nächst größeren. Dass diese aber nicht immer direkt nebeneinander liegen ist wohl klar. Also kann es schon mal passieren, dass man nicht gerade nach oben klettert sondern im Zickzack wie ein Krebs.

Abseilen (fast) wie im Actionfilm

Braucht man zwischendurch mal ne Pause ist das absolut kein Problem. Mit dem Kommando „Zu!“ kann man seinem Sicherungspartner mitteilen, dass man eine Pause möchte. Dieser zieht daraufhin das Seil straff, sodass man sich einfach ins Seil setzen und relaxen kann. Will man wieder zurück auf festen Boden, weil man entweder ganz oben angekommen ist oder nicht mehr kann, funktioniert das mit dem Kommando „Ab“. Man setzt sich wieder ins Seil, hält es mit beiden Händen fest und lässt sich sanft runtergleiten. Die Beine bleiben dabei an der Wand, so als würde man sie runterlaufen wollen. Nimmt man die Beine etwas weiter auseinander, sorgt das für mehr Stabilität. Es fühlt sich ein bisschen an wie im Actionfilm und sieht mindestens auch genauso cool aus!

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Kraft und Technik – beides ist wichtig

Selbst klettern macht natürlich am meisten Spaß – es ist aber auch richtig spannend den erfahrenen Kletter-Assen zuzugucken. Allerdings muss man aufpassen, dass man sich keinen steifen Nacken holt vom ewigen Hochschauen. Praktisch, dass es im Kletterzentrum eine Empore gibt, von der aus man ganz bequem ohne sich den Hals zu verrenken zuschauen kann. Die DAV-Trainer haben es da schon um einiges leichter, denn die tragen spezielle Brillen, mit denen sie das Geschehen über ihnen beobachten können, ohne auch nur den Kopf in die Richtung bewegen zu müssen. Übrigens gibt es je nach Wand verschiedene Schwierigkeitsstufen. Im Kletterzentrum fängt es bei Stufe 2 an und geht bis 10, allerdings schafft diese wirklich nicht jeder. Aber wie äußern sich die Schwierigkeitsstufen denn eigentlich? Zum einen werden die angeschraubten Griffe an der Wand je nach Schwierigkeit kleiner, flacher und sind in größerem Abstand angebracht. Des weiteren haben die Wände Neigungen und auch immer wieder Überhänge, die das Klettern extrem anspruchsvoll und anstrengend gestalten. Bei solchen Wänden ist vor allem die eigene Kraft entscheidend. Bei den senkrechten Wänden hingegen kommt es eher auf die Klettertechnik an.
Allerdings gibt es auch Wände die sich nach hinten neigen, was das Klettern meiner Meinung nach noch ein Stück einfacher macht, da es ein bisschen weniger kraftaufwendig ist und sich ein bisschen anfühlt, als würde man eine Leiter hochklettern.

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Das Alter spielt keine Rolle

Hilfreiche Voraussetzungen für das Klettern sind eine gute Auge-Fuß-Hand-Koordination, Gleichgewichtsgefühl sowie ein gewisses Maß an Kraft. Natürlich ist das kein Muss. Genau diese Eigenschaften lassen sich auch durch Übung beim Klettern sehr gut schulen. Übrigens spielt das Alter bei diesem Sport absolut keine Rolle. Denn die jüngsten Kletteräffchen im Zentrum sind um die 3 Jahre alt und die ältesten, die mit dem Klettern begonnen haben um die 80 Jahre.

 

Ich habe gelernt: Bouldern ist nicht klettern!

Neben dem klassischen gesicherten Klettern an der Wand gibt es im Zentrum noch eine große Boulderfläche. Bouldern ist übrigens nicht das coolere Wort für Klettern, sondern eine ganz andere Art zu klettern.
Beim Bouldern wird ohne Seil und Sicherung in Absprunghöhe geklettert. Damit ist gemeint, dass beim Absprung keine Verletzungsgefahr droht. In der Kletterhalle liegt diese Höhe bei maximal 4 Metern. Das klingt erstmal nach reichlich wenig, aber wenn man erstmal 4 Meter hoch in der Luft auf einem Felsblock sitzt und wieder runterkommen soll, ist es plötzlich doch ganz schön hoch! Deshalb haben auch vor dem Bouldern (mich eingeschlossen) viele Besucher schon gehörigen Respekt. Für andere wiederum sind 14,5 m eine allzu luftige Höhe, weshalb sie sich beim Bouldern einfach sicherer fühlen, denn trotz allem hat man immer im Hinterkopf: die Matte fängt mich auf. Allerdings passieren beim Bouldern deutlich mehr Unfälle als beim Seilklettern, was auf das unkontrollierte Stürzen zurückzuführen ist. Also lieber alles einmal zu oft üben und erklären lassen, bevor man sich selbst überschätzt.

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Nach der Schnupperstunde an die Kletterbar

Im DAV Kletterzentrum gibt’s neben den normalen Schnupperstunden auch viele andere Angebote, sodass garantiert jeder etwas passendes für sich und seine Begleitung findet. Es gibt sogar die Möglichkeit von therapeutischem Klettern (bei bestimmten neurologischen, psychischen und auch motorischen Krankheiten) durch Ergo- und Klettertherapeut Johann Fiederer. Nach einem abenteuerlichen und anstrengenden Tag im Kletterzentrum bietet sich noch ein Besuch in der Kletterbar an, denn dort warten leckere Stärkungen und Erfrischungen auf einen um wieder zu Kräften zu kommen. Außerdem bietet das Cafe eine tolle Aussicht auf die Kletterwände.

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Mein Fazit:

Klettern ist ein wahnsinnig interessanter und abwechslungsreicher Sport, der auch noch unglaublich viel Spaß macht. Außerdem ist es ein absolut großartiges Rückentraining! Obwohl ich das Klettern nur mal ausprobiert habe, kann ich das auf jeden Fall bestätigen. An dem Tag hatte ich ziemliche Verspannungen im oberen Rücken und dem Schulterbereich. Nach dem Klettern war plötzlich alles wie von Zauberhand verschwunden. Die Muskeln fühlten sich gelockert und viel entspannter an. Gerade für Vielsitzer, zu denen ich auch gehöre, ist Klettern definitiv eine Sportart die dem entgegenwirkt. Allerdings ist Klettern auch anstrengender als gedacht. Vor allem wenn man gerade keinen Sport ausübt, braucht man am Anfang viele Pausen um wieder Kraft zu sammeln. Besonders bei Anfängern geht es ganz schön heftig auf die Arme, da man sich mithilfe der Arme hauptsächlich nach oben „zieht“ – erfahrene Kletterer hingegen drücken sich eher mit den Beinen nach oben und die Arme fungieren hauptsächlich als „Greifwerkzeug“. Ich mag Sportarten, bei denen man seine Grenzen überwinden muss und ein bisschen Mut braucht. Dafür ist das Klettern perfekt geeignet. Man will diese Wand schaffen, schließlich hat man schon die Hälfte! Und plötzlich wächst man körperlich wie auch geistig über sich hinaus. Man überschreitet eine Grenze. Hallo Endorphine! Und ist man erstmal ganz oben angekommen und klatscht die Hand gegen die Decke des Zentrums, ist das ein richtiger Kick für das Selbstbewusstsein. Dieses Gefühl ist unglaublich schön.

Ich komme auf jeden Fall wieder – und das nächste Mal bring ich meine Freunde mit!

Text & Fotos: Corinna Meister, www.jetztgibtsbeef.de
Mehr Info unter www.kletterzentrum-regensburg.de

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